Aktuelles (mehr oder weniger)

aktuelles

Jaja, ich mags nicht, sowas gleich am Anfang eines Eintrags schreiben zu müssen: Aber hier hat sich in letzter Zeit wohl nicht wirklich viel getan, oder?
Bedauernswerter weise nicht, das lag aber daran dass ich meinen internetlosen (!) Urlaub erst mal genossen habe und mich erst jetzt wieder in die Filmwelt stürze und wühle. Und verpasst hab ich einiges!

Zum einen ist nun ein 2. Trailer zum Spike Jonze Debut Where the Wild Things Are erschienen, ist aber nicht ganz so stimmungsvoll wie der erste. (Oder zumindest sehe ich das so)

Über Paris je t’aime habe ich ja bereits berichtet, nun gibt es sozusagen ein Sequel dazu: New York, I Love You, gleiches Konzept wie Paris je t’aime nur eben mit Schwerpunkt – wer hätte es gedacht – New York.

Und heute hab ich mich erst mal einen ganzen Tag durch neue Releases und Trailer gewühlt und mir so viele Notizen und Vormerkungen gemacht, dass ich gar nicht mehr nachkomm! (Was viele unter uns besonders freuen müsste: Der Trailer zum neuen Coen Brüder Film A Serious Man. Und der ist spritzig und unterhaltsam, hoffentlich bleibt der Film letztendlich in diesem Tempo.)
Außerdem hab ich jetzt endlich angefangen, Aki Kaurismäki Filme anzusehen. War ja auch höchste Zeit. Gesehen hab ich (nach Empfehlung eines freundlichen Kolleg Besuchers meiner Schule) Laitakaupungin valot.

Tut mir Leid, dass hier kein Review folgt, aber bald werde ich mich wieder aufraffen und wieder schreiben.

Powder Blue

powder

Wieder mal ein Film, der von schlechten Kritiken nur so überhäuft wird. Und das, nachdem der Trailer eigentlich sehr stimmig und interessant wirkte. Unterlegt mit einem Post-Rock Song (Dripping Whispers von The Soul’s Release) wirken auf uns malerische Bilder.

Filmstarts gab diesem kleinen Stück Melancholie nur 2/10 Punkten. (Wobei man diese Seite nach einem 8/10 Punkte für der Junge im gestreiften Pyjama und ebenso einem 8/10 für Der seltsame Fall des Benjamin Button eh nicht mehr ernst nehmen kann ;-))

Ich fand ihn gut. Nicht überragend, aber gut. Was mich sehr erfreute war, dass der Film in ähnlicher Stimmung wie der Trailer ablief.
Und das, was viele nicht wahrnehmen wollen: Ein Film ist ein Medium, das natürlich vor allem durch die Kamera, Schauspieler und Ton geprägt wird. Alle der genannten 3 Komponenten dieses Films fand ich auf jeden Fall gut bis sehr gut gemeistert. Die Kamera von Powder Blue und die malerischen Aufnahmen (auch wenn nicht pausenlos vorhanden) machen es auf jeden Fall Wert ihn zu sehen.
Ein ‘bei einem Film ist Regie und Story am wichtigsten’ kann und will ich so nicht unterschreiben. Auch wenn mich Regie und Story keinesfalls abgeschreckt haben. ;-)
Desweiteren sollte man ein Freund von Dramen sein, denn dieser Film geht nicht über dieses Genre hinaus. Da ich Dramen schätze, hatte ich kein Problem damit. Wie das Leute sehen, die diese Art von Film verabscheuen, kann ich nicht beurteilen. ;-)

Was unter diversen Kritikern als unglaublich schlecht und würdelos empfunden wurde, sind die Stripperszenen von Jessica Biel, manche fanden diese schlicht verachtend und sexistisch. Da stellt sich die Frage, muss man so etwas wirklich beschönigen? Ist das, was sie tut, für sie wirklich schön und ästhetisch? Wollen die Besucher des Lokals überhaupt mehr sehen als nur nackte Haut? (Man denke nur an Requiem For A Dream – hätten die späteren Szenen, wo sich der weibliche Hauptcharakter prostituiert, auch schöner dargestellt werden sollen?)

Doch, entgegen vieler Meinungen fand ich die Stripperszenen nicht so schlecht. Ich fand es sogar ganz interessant, als sich Biel in einem Tuch räkelte und man nur ihre Silhouetten erkannte. Würdelos? Keineswegs.

Und in einer anderen Einstellung sehen wir, wie sie sich Wachs über den Körper gießt (wir erkennen im Gegenlicht wieder nur die Silhouette von Biels Brüsten, diese mit Wachs übergossen wirklich schön anzusehen sind), ihren Geliebten schließlich im Publikum entdeckt und dann, den Körper mit heißem Wachs übergossen, weinend ansieht. Hier ist keine Erotik mehr, hier ist schiere Verzweiflung.
Aber – 3 Minuten Erotik machen keinen knapp 2 Stunden Film aus. Zu der skandalösen Stripperszene sei noch eines gesagt: Ob und wie anrüchig man dies findet, sei jedem selbst überlassen.

Nun, wie bereits erwähnt: Verzweiflung wird in diesem Film groß geschrieben. Wir sehen unterschiedliche Charaktere und Schicksale und wie sich diese langsam zu einem Ganzen zusammenfügen. Ein Priester, der durch den Tod seiner Frau den Glauben an Gott verloren hat – und sich nur noch selbst das Leben nehmen möchte. Oder eben die Rolle der Jessica Biel, deren Sohn im Koma liegt und die mit miesen Jobs um ihr Überleben kämpfen muss und nicht einsehen will, dass es für ihren Sohn keine Besserung gibt.

Der Film hat keine richtige Richtung, wir nehmen einfach am Leben der 4 Protagonisten teil. Es steht uns frei, unsere Meinung, unser Fazit und unsere Aussage aus diesem Film zu ziehen. Wer erwartet, dass einem Moral und/oder eine konkrete Aussage vorgegeben werden, der irrt. Wir müssen uns selbst überlegen, was wir darin sehen.
Mir persönlich macht diese Art von Film Spaß, doch auch dies ist wieder einmal jeden selbst überlassen.

Mein Fazit: 2/10 Punkten werden diesem Film nicht gerecht. Ich wäre mit einer 8/10 zufrieden, wenn auch eine 9/10 nicht unbedingt daneben wären. Obwohl dies sicher einer dieser Filme ist, die nicht jeden ansprechen. Doch wer den Trailer mag, der liegt wahrscheinlich mit Powder Blue nicht ganz so falsch. Insgesamt ein sehr melancholischer Film, der es Wert ist, Beachtung geschenkt zu bekommen.

Funny Games

funnygames

Es muss um die 10 Jahre her sein, als Funny Games erschien.
Der österreichische Film von Michael Haneke wurde oft mit Clockwork Orange verglichen, hat aber seinen ganz eigenen Charme. Er zeigt Gewalt, so, wie sie wirklich ist. Ohne auf klassische Elemente wie massenhaft Blut zurückgreifen zu müssen, schafft er ein Werk, welches nicht furchtbarer hätte sein können.
Es werden bestimmte Gedanken vorgegeben, doch diese werden uns nicht gezeigt – sie spielen sich in unserer eigenen Fantasie ab.
Dem allgemeinen “dass sie sich kaum wehren und so wenig Überlebenswillen zeigen, ist doch absurd!” Nörgeln kann man nur entgegenhalten, dass sich die Familie in einen Schockzustand befindet. In diesen Situationen (davon gehe ich aus) handelt man oftmals verquer und unsinng.

Man kann nicht viel über diesen Film schreiben, außer ihn kräftigst zu empfehlen…

Und vor kurzem kam ich in den Genuss das amerikanische Remake von 2008 sehen zu dürfen. Ja, es gibt ein Remake. Doch dieses ist ebenfalls von Michael Haneke, der weder Dialoge (nur ins englische übetragen) noch Storyboard merklich verändert hat.
Es war absehbar, dass sich jetzt alteingesottene Fans natürlich mit: “Jetzt geht der ganze österreichische Charme verloren!” brüsten… Ich habe beide Versionen gesehen, schätze beide sehr und sehe an jeder eigene Qualitäten.

Wie gesagt, die einzigen Differenzen zum Original von 1997 sind die Sprache und die Schauspieler. Aber, ich finde, dass die Rollen und das Zusammenspiel von Peter und Paul im amerikanischen Remake besser funktionieren. Andererseits gefallen mir die Familienmitglieder in der österreichischen Version um einiges besser; ich sehe bei ihnen mehr Verzeiflung und Authenzität. Und natürlich ist es für mich – als Österreicherin – immer wieder erfreulich in einem Film ‘österreichisch’ zu hören. ;-)

Ich empfehle, beide Versionen anzusehen. Welche zuerst ist vollkommen egal, beide haben ihren Reiz.

(Übrigens gibt es auf youtube von beiden Filmen genügend Ausschnitte und Vergleiche, um sich ein schnelles Bild zu machen, welche Version einen nun mehr ansprechen könnte.)