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Princess
Princess ist ein dänischer Animationsfilm von Anders Morgenthaler (der auch gemeinsam mit Mette Heeno das Drehbuch schrieb) und ein Statement zur “Pornofizierung der Gesellschaft”.
August ist Priester. Als seine Schwester, eine Pornodarstellerin, stirbt, nimmt er ihre Tochter Mia bei sich auf. Diese ist im Milieu der Pornoindustrie aufgewachsen und dadurch sehr verschlossen und abgebrüht. August ist bestürzt, was die Pornoindustrie aus Mia und seiner Schwester gemacht hat und beginnt einen blutigen Rachefeldzug.
Es ist also ein Film, der übertrieben mit der Moralkeule schwingt. Wenn auch nur einseitig.
Während “Porno” das Grundübel ist, ist Gewalt, Mord und Verstümmelung der Vertreiber des Pornogeschäfts natürlich gerechtfertigt. Vor allem, wenn man die Konsumenten und die korrupten männlichen Führungspositionen metzelt. Auch kleine Kinder, die Mia “bedrohen”, haben es laut diesem Film wohl verdient, dass ihnen von August der Arm gebrochen wird und sie durch die Luft geschleudert werden.
Denn August ist hier ein Held – er wird als gut dargestellt und seine Figur wird eigentlich kaum hinterfragt. Man hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, als man einbrachte, dass er damals die Kamera zur Verfügung gestellt hat, mit der seine Schwester ihren ersten Film drehte. Jedoch wurde darauf letztendlich wenig eingegangen. Auch dass seine Eltern in einem Autounfall umkamen (und man Augusts Schwester dafür verantwortlich machen könnte), wurde nur kurz angeschnitten und wieder mal nicht vertieft.
Zu allem Überfluss an Gut/Böse Schwarzweißdenken wird August in seinen blutigen Rachefeldzügen auch noch von Gott unterstützt. So wird er an einer Stelle umzingelt, aber ein Kreuz, dass einer seiner Gegner um den Hals trägt, lässt August die Situation umreissen. So bringt er mal eben um die zwanzig Leute um und beginnt dieses blutige Spektakel mit den Worten: “Danke!” (an Gott gerichtet)
Sehr fraglich ist auch, dass er die kleine Mia zu seinen Rachefeldzügen meist mitnimmt und dass sie auch die Geschlechtsteile von einem Mann, der sie anscheinend sexuell missbrauchte, zerschmettern durfte. (Und sie dies auch mit Freude tat)
Das Ende des Films schien dann doch eine interessante Wendung zu bringen, die sich dann mit der letzten Einstellung wieder in Luft auflöste.
Natürlich ist der Film aus Dänemark und man kann mir sofort vorhalten, dass der ja vorwiegend schockieren und natürlich provozieren soll.
Aber eine so einseitige und belehrende Provokation reizt mich nicht. Porno zu verteufeln (und NUR von einer schlechten Seite zu zeigen), aber dafür Gewalt und Totschlag zu verherrlichen geht mir nicht ein. Es ist einfach lächerlich, wenn man “kritisch” sein will, aber sich nicht auf das Thema einlässt. Dieser Zugang zu der Geschichte, ein kategorisieren von Gut und Böse, ist schlicht ermüdend.
Selbst ein standardisiertes Kinderbuch hätte wohl mehr Tiefe.
Die Animationen sollten an Anime angelehnt sein und erste Screenshots haben mich an das Meisterwerk “Tekkonkinkreet” erinnert. Leider konnte Princess nicht mal annähernd diesem Standard nahe kommen und die Animationen waren oft nicht besonders flüssig. Auch der Zeichenstil gefiel mir persönlich nicht besonders gut.
Leute, die es gewohnt sind, dass Zeichentrick “für Kinder” ist, denen wird dieser neue Zugang vielleicht zusprechen. Wenn man aber schon viele Anime gesehen hat, die ebenfalls erwachsen rüberkommen, sollte einen das nicht vom Hocker hauen. Einen weiteren Kunstfaktor will man noch einbringen, indem man immer wieder Sequenzen aus der Videokamera von August einbringt – also mit echten Schauspielern und in schlechter “Homevideo”-Qualität. Da diese aber von der Handlung kaum berücksichtigt wurden, obwohl sie durchaus interessanten Stoff gaben (wie zB August es einfach geschehen hat lassen, dass seine Schwester sich dem Pornobusiness zuwendet), konnten sie auch nicht wirklich begeistern.
So kann ich zuletzt nur noch betonen, dass diese enorme Moral dem Film sicher nicht gut tat. Und dass ich persönlich nicht glaube, dass Porno so abgrundtief böse ist. Ansonsten kann ich noch jedem das Massive Attack – Paradise Circus Musikvideo ans Herz legen, wo eine gealterte Pornodarstellerin über ihre Karriere spricht. Das ist um einiges interessanter und wahrscheinlich genauso provokant. Und mal zur Abwechslung nicht so scharf verurteilend.
Skeletons In The Closet/Shim’s Family
Skeletons In The Closet/Shim’s Family ist ein Film von Yoon-Chul Jeong aus dem Jahre 2007.
Die Handlung dreht sich um eine Familie, in der jedes Mitglied mit seinem eigenen Leben beschäftigt ist, ohne sich um den anderen großartig zu kümmern. Selbst als die Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wird, philosophieren ihre Kinder nur darüber, dass ihr letzter Satz fürs Testament zu uncool wäre.
Weiters wird der Vater, der englisch Lehrer an der Schule seiner Kinder ist, angeklagt, mit einer Schülerin geschlafen zu haben. Besagte Schülerin ist aber sozusagen die Freundin des Sohnes der Familie, da dieser dank einer Rückführung sich sicher ist, sie wären in ihrem früheren Leben ein Liebespaar gewesen. Auch hätte sich dieser beinahe das Leben genommen, aber als er einen Schreibfehler in seinem Abschiedsbrief entdeckte, konnte er doch noch nicht gehen, da ein Schreibfehler im Abschiedsbrief ja nun wirklich peinlich wäre.
Die Tochter der Familie tritt derweilen einen Club für Übernatürliches bei, der von einem gescheiterten Regisseur geführt wird, der in seinem Leben nur einen einzigen Filmpreis gewann. Für einen Film von Macarena tanzenden Steinzeitmenschen.
Auch schafft es der Vater nicht mehr, ein guter Liebhaber zu sein und so fühlt sich die Mutter vernachlässigt und macht einem jungen Karaokebarbesitzer schöne Augen. Dieser ist aber nur daran interessiert, ihr die Philosophien des Kaffee Trinkens näher zu bringen und um sie anschließend auf diverse Kaffee Huldigungs Messen mitzunehmen. Zusätzlich glaubt sie, dass sie Krebs hätte und lebt jeden Tag als ob es ihr letzter wäre. Dann ist sie beinahe enttäuscht, als sie erfährt, dass sie doch nicht todkrank ist.
Die Schwester der Mutter der Familie, eine Mangaka, trauert noch ihren Ex-Freund nach. Außerdem muss sie sich von fort an um die Familie kümmern und kämpft mit dem Reiskocher und ihrer eigenen Karriere, die momentan eher schlecht als recht läuft, weshalb sie auch bei ihrer Schwester lebt.
Vorne weg: Ich habe schon beinahe eine Phobie vor asiatischen Komödien, da diese meist zu überzogen, lächerlich, voller Slapstick und einfach vorhersehbar sind. Oft auch noch gespickt mit unglaubwürdigem Liebesgesülze, dass es mir schwer macht, diese Filme auch nur bis zur Hälfte zu sehen.
Bei Skeletons In The Closet (aka Shim’s Family) war dies anders. Ich wurde äußerst positiv überrascht. Eigentlich bin ich die letzte, die einen so tollen Film erwartet hätte.
Natürlich, Spuren des koreanischen Humors und der Kultur findet man auch hier und vielleicht tut sich der ein oder andere Europäer schwer, den Witzen zu folgen. Und logischerweise spielt dies alles ja auch in einem koreanischen Setting, welches für uns vielleicht etwas fremd ist.
Ich jedenfalls hatte keine Probleme. Ich interessiere mich aber auch schon länger für Asien, so wie dem asiatisches Kino und bin daher mit vielen Eigenheiten schon vertraut.
Aber der Humor hat mich wirklich angenehm überrascht. Ja, ich muss dies jetzt zig mal betonen, da ich eine so originelle und skurrile Komödie schon lange nicht mehr erlebt habe. Und schon gar nicht aus Asien, da ich die durchschnittlichen Komödien aus diesem Raum kaum ertragen kann.
Natürlich gibt es auch einige wenige Momente, wo es etwas ruhiger wird, wo der Film aber auch gleich eine weitere Stärke beweist: Nämlich das geschickte Verpacken von ernsten Momenten und Moral. Wobei er niemals ins kitschige abdriftet oder etwas von seinem schnellen Tempo verliert.
Die Regie ist außerdem kreativ gelöst und lässt den Film nie langweilig werden. Die Szenen sind weder lieblos aneinander gereiht, noch zu lang oder zu kurz. Gerade recht, um einen angenehmes und flüssiges Seherlebnis zu schaffen.
Wer also keine Scheu hat, sich auch mal in ganz neue humoristische Gefilde zu wagen, der kann gerne mal einen Blick auf diesen Film werfen, der nicht nur mich begeisterte. Allgemein kam dieser sehr unbekannte Film äußerst positiv an. Aber vielleicht braucht man ein gewisses Vorwissen an asiatischen Filmen um sich wirklich in Handlung und Humor einleben zu können.
Waking Life

Waking Life ist experimentelles Kino, das sich mit Traum & Realität beschftigt und das ganze Bröckchenweise in Philosophie lastigen Gesprächen der Hauptfigur mit allerlei Charakteren verarbeitet. Waking Life ist keine leichte Kost und manche benötigen bei der großen Summe an Gedanken vielleicht eine Pause im Film, oder einen zweiten Durchlauf.
Wirft man nur einen flüchtigen Blick auf “Waking Life”, so denkt man hier einen normalen Film mit echten Schauspielern vorzufinden – zur Hälfte stimmt dies auch. Der gesamte Film wurde digital abgedreht, aber dann im Nachhinein so bearbeitet, dass der gesamte Film wie gezeichnet aussieht. Zeitweise werden die Figuren stark abstrahiert und manchmal erkennt man den Unterschied zum “realen” Film nur mehr schwer.
Der Film beschreibt eine Art Selbstfindungs Tour des namenlosen Protagonisten. Er führt viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen (egal ob nun Universitätsprofessor oder ein Selbstmörder, der kurz vor seinem Tod steht), wobei jeder seine eigene Ansicht zu Tage bringt. Letztendlich suchen wir aber den Unterschied zwischen Traum und Realität, wieso wir träumen, wieso wir sterben, der Sinn des Lebens… alles ist hier irgendwie verpackt. Das ganze noch dazu in grandioser Optik.
Das Gesehene ordentlich wiederzugegeben fällt hier sehr schwer, da Waking Life beinahe episodisch abläuft. Jedes geführte oder gesehene Gespräch bildet einen eigenen Punkt, sie hängen direkt nicht miteinander zusammen. Am Ende trifft der Protagonist einen Entschluss, der frei interpretierbar ist.
Ich war sehr beeindruckt, vor allem wegen der – schon so oft gelobten – visuellen Gestaltung, dem neuartigen Plot und den interessanten Denkansätzen. Ich habe in diesem Film meine Haltungen vielleicht fünf mal überdenken müssen, auch wenn es ebenso Momente gab, in denen ich den Gesprächspartnern nicht zustimmen konnte.
Kurzum: Empfehlung!