Archiv für die Kategorie „Psychological“

Waking Life

wakinglife

Waking Life ist experimentelles Kino, das sich mit Traum & Realität beschftigt und das ganze Bröckchenweise in Philosophie lastigen Gesprächen der Hauptfigur mit allerlei Charakteren verarbeitet. Waking Life ist keine leichte Kost und manche benötigen bei der großen Summe an Gedanken vielleicht eine Pause im Film, oder einen zweiten Durchlauf.

Wirft man nur einen flüchtigen Blick auf “Waking Life”, so denkt man hier einen normalen Film mit echten Schauspielern vorzufinden – zur Hälfte stimmt dies auch. Der gesamte Film wurde digital abgedreht, aber dann im Nachhinein so bearbeitet, dass der gesamte Film wie gezeichnet aussieht. Zeitweise werden die Figuren stark abstrahiert und manchmal erkennt man den Unterschied zum “realen” Film nur mehr schwer.

Der Film beschreibt eine Art Selbstfindungs Tour des namenlosen Protagonisten. Er führt viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen (egal ob nun Universitätsprofessor oder ein Selbstmörder, der kurz vor seinem Tod steht), wobei jeder seine eigene Ansicht zu Tage bringt. Letztendlich suchen wir aber den Unterschied zwischen Traum und Realität, wieso wir träumen, wieso wir sterben, der Sinn des Lebens… alles ist hier irgendwie verpackt. Das ganze noch dazu in grandioser Optik.

Das Gesehene ordentlich wiederzugegeben fällt hier sehr schwer, da Waking Life beinahe episodisch abläuft. Jedes geführte oder gesehene Gespräch bildet einen eigenen Punkt, sie hängen direkt nicht miteinander zusammen. Am Ende trifft der Protagonist einen Entschluss, der frei interpretierbar ist.

Ich war sehr beeindruckt, vor allem wegen der – schon so oft gelobten – visuellen Gestaltung, dem neuartigen Plot und den interessanten Denkansätzen. Ich habe in diesem Film meine Haltungen vielleicht fünf mal überdenken müssen, auch wenn es ebenso Momente gab, in denen ich den Gesprächspartnern nicht zustimmen konnte.

Kurzum: Empfehlung!

Home

home

“Home”, von Ursula Meier (nicht zu verwechseln mit dem Dokumentarfilm “Home” von Yann Arthus-Bertrand) zeigt eine Familie, die durch den Zuwachs einer Autobahn neben ihnen ihr altes Leben aufgeben müssen.

Im Moment wird ständig dokumentiert und bejammert, wie schlimm nicht die Entwicklung der Moderne ist, die Dezimierung der Natur und die Ausweitung der Autos.

Während die meisten Dokumentation oder Katastrophenfilme darauf ausgelegt sind, zu schockieren und mit grauen Zahlen oder schrecklichen Ereignissen aufzutrumpfen, gibt sich “Home” unerwartet subtil. Auch wenn der Film ab der Hälfte eine dramatische Wendung erlebt und überraschend surreale Elemente in Psychotriller Manier präsentiert, so ist er trotzdem glaubwürdig und vor allem sehenswert. Keine leichte Kost, auch wenn es in der ersten halben Stunde vielleicht so wirken mag.

Zur Handlung: Eine Familie, 2 ältere Töchter und ein jüngerer Sohn. Eine der Töchter ist bereits fertig mit der Schule und verbringt den Tag mit Radio und im Bikini im Garten. Die andere geht noch zur Schule und scheint sehr unsicher und schüchtern. Der Sohn vergnügt sich neben der Schule gern auf seinem Fahrrad und allem in allem gibt es kaum gröbere Differenzen in der Familie.
Sie wohnen in einem Haus am Straßenrand. Die Straße ist aber nicht befahren und bedeckt mit den Kram der Familie. Jedoch, eines Tages entdeckt der Sohn ein paar Arbeiter nicht weit vom Haus entfernt – und am nächsten Tag ist die Straße neu hergerichtet, der Familie ihre Utensilien achtlos in den Garten geworfen. Und bald darauf wird sie in Betrieb genommen… Eine Autobahn, auf der Menschen keinen Platz haben.
Die Kinder und so auch der Vater müssen jeden Tag die Straße überqueren um in die Schule oder Arbeit zu gelangen. Doch da dies bei den Autos nicht geht, müssen sie absofort immer ein Stück weit gehen um durch einen Tunnel zu klettern.

Ab hier verändert sich langsam aber sicher das Bild der unbeschwerten Familie: Die zurückhaltende Tochter fängt an, ständig zu berechnen, wie viele Autos in der Stunde vorbeifahren und auch zu erforschen, wie toxisch die Luft nicht sei und wie schnell sie alle sterben müssten. Ein surreales Bild. Bald sieht man sie nur noch mit Atemschutzmaske und Sicherheitsanzug. Auch der jüngere Sohn, verängstigt von den Prophezeihungen seiner älteren Schwester, hält einen Mückenstich für das Abbild von schlimmster Vergiftungen, verursacht durch die Autos. Allgemein macht der Lärm den die Autobahn permanent produziert, allen Mitgliedern der Familie zu schaffen. Einer nach den anderen lässt sein heiteres Wesen fallen und nähert sich dem Wahnsinn.

Und natürlich eskaliert die Situation: Als in den Sommerferien der erste Stau vor ihrer Tür statt findet und alle Leute in Sensationsslust die Leute in dem Haus begaffen, wird es der Mutter zu viel. Mit ihren Kindern will sie einen kleinen Ausflug machen (der Vater ist gerade bei der Arbeit), weg von den Blicken der Menschen. Doch die Älteste genießt es, als sie wie immer im Bikini im Garten liegt, viele junge Männer anzuziehen. Sie bleibt, die Mutter und ihre 2 anderen Kinder gehen. Als der Vater am Abend nach Hause kommt, ist keiner mehr da, die Mutter und die 2 Töchter kehren zurück, die Älteste aber bleibt verschwunden… Was weiter passiert, will ich dem Zuseher nicht verraten – doch so viel sei gesagt: Für mich kam es einigermaßen unerwartet.

Was uns der Film sagen will, ist schwierig. Zuerst hat man das Gefühl, er will nur mit erhobenen Zeigefinger auf die derzeitige Lage der Umweltverschmutzung und Autos hinweisen, jedoch – je weiter sich die Charaktere entwickeln und je mehr sie lernen müssen, mit der Situation umzugehen, desto weniger kann man ausmachen, wo dieser Film nun eigentlich hin will.
Und auch gibt es Situationen im Film, wo ich mich fragte: “War das jetzt wirklich notwendig?”

Insgesamt ein interessantes Projekt, dass ich in dieser Form so noch nicht gesehen habe.

Funny Games

funnygames

Es muss um die 10 Jahre her sein, als Funny Games erschien.
Der österreichische Film von Michael Haneke wurde oft mit Clockwork Orange verglichen, hat aber seinen ganz eigenen Charme. Er zeigt Gewalt, so, wie sie wirklich ist. Ohne auf klassische Elemente wie massenhaft Blut zurückgreifen zu müssen, schafft er ein Werk, welches nicht furchtbarer hätte sein können.
Es werden bestimmte Gedanken vorgegeben, doch diese werden uns nicht gezeigt – sie spielen sich in unserer eigenen Fantasie ab.
Dem allgemeinen “dass sie sich kaum wehren und so wenig Überlebenswillen zeigen, ist doch absurd!” Nörgeln kann man nur entgegenhalten, dass sich die Familie in einen Schockzustand befindet. In diesen Situationen (davon gehe ich aus) handelt man oftmals verquer und unsinng.

Man kann nicht viel über diesen Film schreiben, außer ihn kräftigst zu empfehlen…

Und vor kurzem kam ich in den Genuss das amerikanische Remake von 2008 sehen zu dürfen. Ja, es gibt ein Remake. Doch dieses ist ebenfalls von Michael Haneke, der weder Dialoge (nur ins englische übetragen) noch Storyboard merklich verändert hat.
Es war absehbar, dass sich jetzt alteingesottene Fans natürlich mit: “Jetzt geht der ganze österreichische Charme verloren!” brüsten… Ich habe beide Versionen gesehen, schätze beide sehr und sehe an jeder eigene Qualitäten.

Wie gesagt, die einzigen Differenzen zum Original von 1997 sind die Sprache und die Schauspieler. Aber, ich finde, dass die Rollen und das Zusammenspiel von Peter und Paul im amerikanischen Remake besser funktionieren. Andererseits gefallen mir die Familienmitglieder in der österreichischen Version um einiges besser; ich sehe bei ihnen mehr Verzeiflung und Authenzität. Und natürlich ist es für mich – als Österreicherin – immer wieder erfreulich in einem Film ‘österreichisch’ zu hören. ;-)

Ich empfehle, beide Versionen anzusehen. Welche zuerst ist vollkommen egal, beide haben ihren Reiz.

(Übrigens gibt es auf youtube von beiden Filmen genügend Ausschnitte und Vergleiche, um sich ein schnelles Bild zu machen, welche Version einen nun mehr ansprechen könnte.)