Archiv für die Kategorie „Liebe“
Paris je t’aime

18 bunte und einzigartige Kurzflime, gedreht von vielen Regisseuren dieser Welt – um die Themen Paris und Liebe nochmal zu ehren.
Vorne weg, ich mag Kurzfilme. Doch war ich skeptisch: Es ist wirklich eine große Herausforderung Stimmung in 5-8 Minuten aufzubauen. Was ich aber in “Paris je t’aime” fand, übertraf meine Erwartungen vollkommen.
Viele Gegenstimmen ertönten, die Filme seien nicht französisch genug oder würden an der Themenstellung vorbei zielen – doch wer sowas behauptet, hat meiner Meinung nach gar nichts verstanden. Denn – Paris, bzw Frankreich – ist nicht unbedingt durch die Umgebung auszumachen, es ist eher eine Philosophie; ein Stil der französische Filme oft begleitet. Und auch wenn viele Künstler nicht aus Frankreich stammen, so hat dieser Film für mich dieses französische Etwas. Egal ob nun Erzählstil, die Selbstverwirklichung durch Kunst oder die allgemeine Ehrung der Liebe.
Aber selbst wenn man diese Sammlung für nicht themagetreu hält: Gut sind die Filme trotzdem.
Und wie war es anders zu erwarten – das Thema Liebe wird in fast allen Kurzfilmen angeschnitten. Doch diese Einseitigkeit lässt die Filme nicht öde werden: So entdeckte ich ein schrilles, buntes und urkomisches Märchen über eine Pantomimen Familie; ein Mann, der seine Frau nicht mehr liebt, aber durch ihren Tod ihr wieder näher kommt; eine junge Dame, die ihren Freund nicht lieben kann, da er zu wenig Humor schätzt, ein Blinder, dessen Freundin Theater spielt und, und, und…
Außerdem werden schwierige Themen wie Klassenunterschiede oder Rassismus aufgegriffen, also zentrale Themen die nicht nur in Paris eine Rolle spielen.
Was ebenfalls nett ist, dass auch Kunst hier in allen Formen und Facetten präsentiert wird; so zum Beispiel ein Mann, der in wenigen bunten Minuten zu sich selbst findet, indem er kunstvolle Frisuren fabriziert.
Klingt schräg, ist es auch.
In jedem der Filme steckt so viel originelles, dass man sich von diesem Kulturschock erst mal erholen muss. Egal ob surreal, verwirrend, romantisch, lustig, traurig… es ist so viel unterschiedliches zu finden, dass mich die 114 Minuten Laufzeit wirklich vom Hocker gehauen haben.
Bis auf 2, 3 Kurzfilme haben mir alle außerordnetlich gut gefallen. Meine Lieblinge sind: Les Marais von Gus Van Sant, Tuilleries von Joel & Ethan Coen, Porte de Choisy von Christopher Doyle, Bastille von Isabel Coixet (der war für mich wirklich der Inbegriff von französischen Filmen, Erzählstruktur, Kamera, die Details… so typisch), Tour Eiffel von Sylvain Chomet (Pantomimenliebesgeschichte, äußerst liebenswert!), Place de Victoires (einer, für mich, der traurigsten Filme, wird aber begleitet von wunderbarer Leichtigkeit) von Nobuhiro Suwa, Place de Fetes von Oliver Schmitz, Pere Lachaise von Wes Craven, Fauborg Saint Denis von Tom Tykwer, Quartier Latin von Frédéric Auburtin & Gérard Depardieu und 14éme Arrondissement von Alexander Payne
Hierbei sieht man sofort viele bekannte Regisseure aufblitzen, die sich hier alle wirklich wunderbar verwirklicht haben. Natürlich sind auch die Schauspieler fantastisch, bekannte Gesichter wie Elijah Wood oder Natalie Portman fliegen über den Bildschirm und auch Gérard Depardieu darf hier nicht fehlen.
Zusammenfassend sind dies Filme, die mich wirklich bewegt haben und mir selbst nach Monaten noch lebhaft in Erinnerung geblieben sind.
Finnischer Tango

Finnischer Tango ist ein deutscher Film von Buket Alaksus.
Der junge und emotional abgestumpfte Alex braucht schnell und viel Geld. Nachdem ihm ein Jobangebot für Behinderte ins Auge springt, stiehlt er promt den Behindertenausweises eines Rollstuhlfahrers und macht sich auf den Weg.
Was sich Komödie nennt, entpuppt sich schnell als ernstes und tiefsinniges Drama; dabei werden sensible Themen angesprochen wie Selbstmord oder die Liebe, bzw. der Sex zwischen Behinderten.
Der Film liegt teilweise sehr schwer im Magen: Zu rücksichtslos und abgeklärt wandelt der Hauptcharakter durch das Geschehen – menschliche Beziehungen sind für ihn praktisch nicht vorhanden, sein ganzes Leben konzentriert sich nur auf eines: Die Musik.
In seiner 3 Mann-Band war er der Akkordeon Spieler, bis an jenen Abend, als die drei Freunde beschlossen das Auto, mitsamt der Ausrüstung, ihrer größten Rivalband zu klauen. Tommy, der am Steuer sitzt, tritt dann plötzlich aufs Gas und rast auf eine Wand zu, denn seinem Leben will er ein Ende machen.
Der Hauptcharakter erwacht in Trümmern, steigt über Tommy der in einer Blutlacke liegt und geht zum Auto. Seinen anderen Freund Steini, der um Hilfe bettelt, ignoriert er und greift sich das Akkordeon. Wenig später bricht er zusammen.
Alex hat kein Mitleid mit Tommy, er nimmt seinen Tod einfach so hin. Abgesehen davon ist er sogar wütend auf Tommy, da dieser sein Leben auch gefährdet hat. Und der Einwand, sie wären es Tommy schuldig die Band aufzulösen, stößt bei ihm ebenfalls auf Unverständnis.
Alex – der sich zuerst eine Wohnung mit Tommy geteilt hat – muss erstmal wo unterkommen und geht zu Steini, doch dieser ist fassungslos dass Alex ihn hätte sterben lassen und dass ihn der Tod Tommys nicht mal ein bisschen berührt und kündigt darum Band und Freundschaft.
Ohne Wohnung, Geld, Freundin oder Bausparvertrag begibt sich Alex auf Jobsuche – und landet dabei prompt bei einer Ausschreibung, nur für Behinderte. Die Arbeit entpuppt sich als Theater, dort arbeitet er von nun an als Musiker. Mit vielen Lügen erschleicht er sich Mitleid und darf sogar mit einigen anderen aus seiner Arbeit zusammen leben.
In seiner neuen Wohnung verkauft er die Rollstühle oder durchwühlt die Spardosen seiner Mitbewohner um an Geld zu kommen.
Zuerst scheint die WG recht harmonisch, doch dieses Bild wird durch Rudi getrübt; dem pessimistischen Miesepeter, der kein gutes Wort für die anderen oder seine Lebenssituation übrig hat. Ansonsten ist da noch Marilyn, welche am Down Syndrom leidet, die unbedingt ihr erstes Mal mit einem erfahrenen Mann haben möchte, um es ihrem Freund besonders schön zu machen. Jedoch sitzt ihr Geliebter, ebenfalls Bewohner der WG, im Rollstuhl und sein ganzer Unterleib ist gelähmt; an solchen Stellen kommt vorallem wieder die Komödie durch.
Doch obwohl wir denken, der Hauptdarsteller sei moralisch und emotionsmäßig komplett abgestumpft ändert sich dieses Bild, nämlich in seiner Art wie er auf die Selbstmordgedanken von Rudi reagiert – empfindlich, ernst und vorallem menschlich. Das Thema Selbstmord zieht sich durch den ganzen Film, wenn nicht sogar als Schwerpunkt.
Alles in Allem ist der Film keine leichte Kost, aber dafür unterhaltsam. Auch wenn die Stellen, an denen ich schmunzelte, deutlich geringer waren als die traurigen Momente.