Archiv für die Kategorie „Humorvoll“

Skeletons In The Closet/Shim’s Family

sitc1Skeletons In The Closet/Shim’s Family ist ein Film von Yoon-Chul Jeong aus dem Jahre 2007.

Die Handlung dreht sich um eine Familie, in der jedes Mitglied mit seinem eigenen Leben beschäftigt ist, ohne sich um den anderen großartig zu kümmern. Selbst als die Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wird, philosophieren ihre Kinder nur darüber, dass ihr letzter Satz fürs Testament zu uncool wäre.Skeletons In The Closet Screenshot 2Weiters wird der Vater, der englisch Lehrer an der Schule seiner Kinder ist, angeklagt, mit einer Schülerin geschlafen zu haben. Besagte Schülerin ist aber sozusagen die Freundin des Sohnes der Familie, da dieser dank einer Rückführung sich sicher ist, sie wären in ihrem früheren Leben ein Liebespaar gewesen. Auch hätte sich dieser beinahe das Leben genommen, aber als er einen Schreibfehler in seinem Abschiedsbrief entdeckte, konnte er doch noch nicht gehen, da ein Schreibfehler im Abschiedsbrief ja nun wirklich peinlich wäre.
Die Tochter der Familie tritt derweilen einen Club für Übernatürliches bei, der von einem gescheiterten Regisseur geführt wird, der in seinem Leben nur einen einzigen Filmpreis gewann. Für einen Film von Macarena tanzenden Steinzeitmenschen.
Auch schafft es der Vater nicht mehr, ein guter Liebhaber zu sein und so fühlt sich die Mutter vernachlässigt und macht einem jungen Karaokebarbesitzer schöne Augen. Dieser ist aber nur daran interessiert, ihr die Philosophien des Kaffee Trinkens näher zu bringen und um sie anschließend auf diverse Kaffee Huldigungs Messen mitzunehmen. Zusätzlich glaubt sie, dass sie Krebs hätte und lebt jeden Tag als ob es ihr letzter wäre. Dann ist sie beinahe enttäuscht, als sie erfährt, dass sie doch nicht todkrank ist.
Die Schwester der Mutter der Familie, eine Mangaka, trauert noch ihren Ex-Freund nach. Außerdem muss sie sich von fort an um die Familie kümmern und kämpft mit dem Reiskocher und ihrer eigenen Karriere, die momentan eher schlecht als recht läuft, weshalb sie auch bei ihrer Schwester lebt.Skeletons In The Closet Screenshot 3Vorne weg: Ich habe schon beinahe eine Phobie vor asiatischen Komödien, da diese meist zu überzogen, lächerlich, voller Slapstick und einfach vorhersehbar sind. Oft auch noch gespickt mit unglaubwürdigem Liebesgesülze, dass es mir schwer macht, diese Filme auch nur bis zur Hälfte zu sehen.
Bei Skeletons In The Closet (aka Shim’s Family) war dies anders. Ich wurde äußerst positiv überrascht. Eigentlich bin ich die letzte, die einen so tollen Film erwartet hätte.
Skeletons In The Closet Screenshot 4Natürlich, Spuren des koreanischen Humors und der Kultur findet man auch hier und vielleicht tut sich der ein oder andere Europäer schwer, den Witzen zu folgen. Und logischerweise spielt dies alles ja auch in einem koreanischen Setting, welches für uns vielleicht etwas fremd ist.
Ich jedenfalls hatte keine Probleme. Ich interessiere mich aber auch schon länger für Asien, so wie dem asiatisches Kino und bin daher mit vielen Eigenheiten schon vertraut.
Aber der Humor hat mich wirklich angenehm überrascht. Ja, ich muss dies jetzt zig mal betonen, da ich eine so originelle und skurrile Komödie schon lange nicht mehr erlebt habe. Und schon gar nicht aus Asien, da ich die durchschnittlichen Komödien aus diesem Raum kaum ertragen kann.

Natürlich gibt es auch einige wenige Momente, wo es etwas ruhiger wird, wo der Film aber auch gleich eine weitere Stärke beweist: Nämlich das geschickte Verpacken von ernsten Momenten und Moral. Wobei er niemals ins kitschige abdriftet oder etwas von seinem schnellen Tempo verliert.sitc5Die Regie ist außerdem kreativ gelöst und lässt den Film nie langweilig werden. Die Szenen sind weder lieblos aneinander gereiht, noch zu lang oder zu kurz. Gerade recht, um einen angenehmes und flüssiges Seherlebnis zu schaffen.

Wer also keine Scheu hat, sich auch mal in ganz neue humoristische Gefilde zu wagen, der kann gerne mal einen Blick auf diesen Film werfen, der nicht nur mich begeisterte. Allgemein kam dieser sehr unbekannte Film äußerst positiv an. Aber vielleicht braucht man ein gewisses Vorwissen an asiatischen Filmen um sich wirklich in Handlung und Humor einleben zu können.

Southland Tales

southlandtales

Richard Kelly dürfte bereits durch Donnie Darko einiges an Bekanntheit errungen haben, jedoch scheint ihn Southland Tales seinen guten Ruf streitig zu machen. Erstmals auf Cannes aufgeführt erthielt der Film durchwegs schlechte Kritiken, weshalb ich ihn nicht mal sehen wollte.

Verpackt in diesen rund 2 Stunden Film wird Action, Satire, Science Fiction und Politik. Das alles ist gespickt mit vielen verschiedenen Charakteren und Handlungssträngen, die erst nach und nach Sinn ergeben. (Pulp Fiction like!)

Abermals ein Film von Richard Kelly, der sich vorallem um das Thema ‘Apokalypse’ drehte und viel an Interpretation offen lässt. Einiges erinnerte an Donnie Darko, was aber keinesfalls störend oder langweilend war, sondern eher interessant abermals eine Parallele zu Donnie Darko zu finden.

Es spielt alles in vielleicht nicht zu allzu ferner Zukunft, wo Überwachung aus Angst vor Terrorismus ihren Höhepunkt erreicht und sich langsam Gruppen bilden, um dagegen anzukämpfen.
Angefangen bei einem Mann, der ein Drehbuch zu einem Thriller schreibt, der sich dann aber scheinbar bewahrheitet – und zur selben Zeit ist auch noch ein anderer Typ in der Zeit zurückgereist und sucht sein anderes ich, während die Rolle des Justin Timberlakes sich Drogen hingibt und Playback zu the Killers singt.
Klingt verwirrend? Ist es auch.

Zur Handlung möchte ich nicht allzu viel erzählen, die kann jeder selbst nachlesen und sich informieren. Das eigentlich packende an dem Film war für mich das skurrile Setting. Ob es dabei nun um eine Asiatin ging, die ein recht interessantes Auftreten hatte oder zwei Autos die einander “liebten”, es war… einfach surreal.

Mal reinzuschauen ist, denke ich, sicher nicht so verkehrt. Es gibt viel zu interpretieren, viel zu sehen und typische Donnie Darko Kernelemente wiederholen sich auch. Soweit ich weiß, gibt es dazu auch eine 3-teilige Graphic Novel Serie, die den Hintergrund der Serie besser beschreibt – also, da werde ich vielleicht auch mal einen Blick reinwerfen.

Paris je t’aime

parisjetaime

18 bunte und einzigartige Kurzflime, gedreht von vielen Regisseuren dieser Welt – um die Themen Paris und Liebe nochmal zu ehren.

Vorne weg, ich mag Kurzfilme. Doch war ich skeptisch: Es ist wirklich eine große Herausforderung Stimmung in 5-8 Minuten aufzubauen. Was ich aber in “Paris je t’aime” fand, übertraf meine Erwartungen vollkommen.
Viele Gegenstimmen ertönten, die Filme seien nicht französisch genug oder würden an der Themenstellung vorbei zielen – doch wer sowas behauptet, hat meiner Meinung nach gar nichts verstanden. Denn – Paris, bzw Frankreich – ist nicht unbedingt durch die Umgebung auszumachen, es ist eher eine Philosophie; ein Stil der französische Filme oft begleitet. Und auch wenn viele Künstler nicht aus Frankreich stammen, so hat dieser Film für mich dieses französische Etwas. Egal ob nun Erzählstil, die Selbstverwirklichung durch Kunst oder die allgemeine Ehrung der Liebe.
Aber selbst wenn man diese Sammlung für nicht themagetreu hält: Gut sind die Filme trotzdem.

Und wie war es anders zu erwarten – das Thema Liebe wird in fast allen Kurzfilmen angeschnitten. Doch diese Einseitigkeit lässt die Filme nicht öde werden: So entdeckte ich ein schrilles, buntes und urkomisches Märchen über eine Pantomimen Familie; ein Mann, der seine Frau nicht mehr liebt, aber durch ihren Tod ihr wieder näher kommt; eine junge Dame, die ihren Freund nicht lieben kann, da er zu wenig Humor schätzt, ein Blinder, dessen Freundin Theater spielt und, und, und…
Außerdem werden schwierige Themen wie Klassenunterschiede oder Rassismus aufgegriffen, also zentrale Themen die nicht nur in Paris eine Rolle spielen.
Was ebenfalls nett ist, dass auch Kunst hier in allen Formen und Facetten präsentiert wird; so zum Beispiel ein Mann, der in wenigen bunten Minuten zu sich selbst findet, indem er kunstvolle Frisuren fabriziert.
Klingt schräg, ist es auch.

In jedem der Filme steckt so viel originelles, dass man sich von diesem Kulturschock erst mal erholen muss. Egal ob surreal, verwirrend, romantisch, lustig, traurig… es ist so viel unterschiedliches zu finden, dass mich die 114 Minuten Laufzeit wirklich vom Hocker gehauen haben.

Bis auf 2, 3 Kurzfilme haben mir alle außerordnetlich gut gefallen. Meine Lieblinge sind: Les Marais von Gus Van Sant, Tuilleries von Joel & Ethan Coen, Porte de Choisy von Christopher Doyle, Bastille von Isabel Coixet (der war für mich wirklich der Inbegriff von französischen Filmen, Erzählstruktur, Kamera, die Details… so typisch), Tour Eiffel von Sylvain Chomet (Pantomimenliebesgeschichte, äußerst liebenswert!), Place de Victoires (einer, für mich, der traurigsten Filme, wird aber begleitet von wunderbarer Leichtigkeit) von Nobuhiro Suwa, Place de Fetes von Oliver Schmitz, Pere Lachaise von Wes Craven, Fauborg Saint Denis von Tom Tykwer, Quartier Latin von Frédéric Auburtin & Gérard Depardieu und 14éme Arrondissement von Alexander Payne

Hierbei sieht man sofort viele bekannte Regisseure aufblitzen, die sich hier alle wirklich wunderbar verwirklicht haben. Natürlich sind auch die Schauspieler fantastisch, bekannte Gesichter wie Elijah Wood oder Natalie Portman fliegen über den Bildschirm und auch Gérard Depardieu darf hier nicht fehlen.

Zusammenfassend sind dies Filme, die mich wirklich bewegt haben und mir selbst nach Monaten noch lebhaft in Erinnerung geblieben sind.