Archiv für die Kategorie „Experimentell“
Machinarium

Durch das “Independent Game Festival” hörte ich von diesem neuen PC/MAC/Linux Game.
Da ich diesen melancholischen, verspielten und oftmals auch sehr tiefgründigen Independent Games viel abgewinnen kann, musste ich es mal anzocken: Das Spiel, das vollkommen ohne Sprache auskommt. Doch werden uns sehr wohl Gespräche gezeigt, aber das ganze nur durch Bildsprache. In Denk- und Sprechblasen läuft ein – süß gezeichnetes – Geschehen hab und wir wissen sofort, was uns die Charaktere sagen wollen.
Das Design des Games ist wohl einer der gelungensten Aspekte, neben dem grandiosen Ambient Soundtrack. Alle Figuren haben ihren eigenen Charme und sehen allesamt individuell und kreativ aus, selbst wenn sie nur eine Screentime von 5 Minuten haben. Der Hintergrund reiht sich auch schön ein. Bei manchen Games ist es ja so, dass alle Objekte die benutzbar, bzw beweglich sind, stark rausstechen (was ich als störend empfinde). Hier war dies nicht so.
Der Soundtrack passt perfekt zu der Welt, die meist in matten Farben gehalten ist.
Die Rätsel waren für mich persönlich etwas zu leicht. Aber es ist natürlich sehr angenehm, wenn ein Spiel durch überschwierige Rätsel nicht komplett frustet und man alle 10 Minuten hängen bleibt. So hatte ich ein flüssiges Spielerlebnis, was ja auch nicht zu verachten ist. Langweillig waren die Rätsel jedenfalls nicht – sogar sehr kreativ und abwechslungsreich, aber eben kurzweillig.
Von der Flash Basierung sollte man sich auch nicht abschrecken lassen, das Spiel ist sauber und toll programmiert.
Zur Handlung selber muss man gar nicht viel sagen, am besten, man liest gar nichts drüber sondern lässt sie sich einfach erzählen. Von diesem Game, das eher wie ein Gemälde, ein Bilderbuch oder wie ein kleiner Film erscheint… dieser Mix, aus wunderschönen Animationen, gelungenem Soundtrack, simpler, aber mitreissender Story machen das Ganze äußerst spielenswert.
Waking Life

Waking Life ist experimentelles Kino, das sich mit Traum & Realität beschftigt und das ganze Bröckchenweise in Philosophie lastigen Gesprächen der Hauptfigur mit allerlei Charakteren verarbeitet. Waking Life ist keine leichte Kost und manche benötigen bei der großen Summe an Gedanken vielleicht eine Pause im Film, oder einen zweiten Durchlauf.
Wirft man nur einen flüchtigen Blick auf “Waking Life”, so denkt man hier einen normalen Film mit echten Schauspielern vorzufinden – zur Hälfte stimmt dies auch. Der gesamte Film wurde digital abgedreht, aber dann im Nachhinein so bearbeitet, dass der gesamte Film wie gezeichnet aussieht. Zeitweise werden die Figuren stark abstrahiert und manchmal erkennt man den Unterschied zum “realen” Film nur mehr schwer.
Der Film beschreibt eine Art Selbstfindungs Tour des namenlosen Protagonisten. Er führt viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen (egal ob nun Universitätsprofessor oder ein Selbstmörder, der kurz vor seinem Tod steht), wobei jeder seine eigene Ansicht zu Tage bringt. Letztendlich suchen wir aber den Unterschied zwischen Traum und Realität, wieso wir träumen, wieso wir sterben, der Sinn des Lebens… alles ist hier irgendwie verpackt. Das ganze noch dazu in grandioser Optik.
Das Gesehene ordentlich wiederzugegeben fällt hier sehr schwer, da Waking Life beinahe episodisch abläuft. Jedes geführte oder gesehene Gespräch bildet einen eigenen Punkt, sie hängen direkt nicht miteinander zusammen. Am Ende trifft der Protagonist einen Entschluss, der frei interpretierbar ist.
Ich war sehr beeindruckt, vor allem wegen der – schon so oft gelobten – visuellen Gestaltung, dem neuartigen Plot und den interessanten Denkansätzen. Ich habe in diesem Film meine Haltungen vielleicht fünf mal überdenken müssen, auch wenn es ebenso Momente gab, in denen ich den Gesprächspartnern nicht zustimmen konnte.
Kurzum: Empfehlung!