Archiv für die Kategorie „Drama“

Once

once

Once ist ein irischer Independent Film der den Spagat zwischen Künstler- und Mainstream Film erfolgreich gemeistert hat.
Ich hatte mir diesen Film schon lange vorgemerkt und bin nun endlich dazu gekommen ihn zu sehen und mal wieder wurde ich sehr positiv überrascht. In manchen Rezensionen wurde behauptet der Film wäre zu langatmig, die Romanze sei viel zu oberflächlich, die Kamera schrecklich und das schlimmste, dass die Musik als Überbrücker für die fehlende Handlung genutzt werde.
Alle diese Vorwürfe verflüchtigten sich bei mir, als der Abspann Bildschirm vor meinen Augen vorbeizog. Am meisten hat mich die Kritik an der Kamera geärgert, denn man hat oft genug gesehen, dass sehr wohl – entgegen der Behauptungen – auf Ästhetik geachtet wurde. Allein wie die Schauspieler im Bild positioniert waren, wirkte für mich sehr gewollt und wahrlich nicht zufällig zusammengewürfelt.
Wichtig für den Film ist sicherlich, dass einem die Musik zusagt. Denn der Film lebt von der Musik. Zu Beginn hatte ich bereits ein paar Lieder gehört und war nicht sonderlich begeistert, doch das änderte sich bei mir schlagartig. Als ich die beiden sah, ihren Hintergrund dann die Songs dazu hörte… Für mich steckte in den Liedern so viel Emotion… ich war begeistert.
Aber wie gesagt, der Film lebt eindeutig von der Musik.

Doch ist er sehr vielschichtig und lässt genau so viel Interpretation zu. Das Ende finde ich persönlich einfach nur perfekt gewählt, was ein ebenso großer Kritikpunkt ist. Es ist sicherlich kein typisches Happy End, aber über fehlende Romantik konnte ich mich nicht beschweren. Ein fuminantes Ende hätte einfach nicht gepasst.

Es fällt mir schwer all meine Eindrücke zu diesem Film zu schildern, denn es waren einfach zu viele. Langatmig war er meines Erachtens nach nicht – nach einer Stunde und zwanzig Minuten kam es mir so vor als ob ich erst eine Viertelstunde Film gesehen hätte, sicherlich nicht im negativen Sinne.
Es gab schon Stellen an denen ich mir dachte die Stille könnte ruhig ausgekostet werden, aber im großen und ganzen war er recht harmonisch.
Mal wieder endet ein Artikel von mir mit einer Empfehlung – am besten kauft ihr euch gleich die DVD, so wie ich es tun würde wenn ich das Geld hätte.

Revanche

revanche

Ein Gefühl von Elephant hatte ich, als der Film vorbei war: Spärliche Dialoge, lange Kamereinstellungen und kühle Farben.
Die Kamera war für mich wirklich phantastisch; Licht wurde wunderbar eingesetzt und auch die Komposition war perfekt. Immer so exakt auf den goldenen Schnitt und die Details im Hintergund geachtet dass es auf mich schon fast absurd wirkte.

Nun aber zur Handlung – Alex ist verliebt.
Seine Angebetete, Tamara, arbeitet im Freudenhaus.

Wir bekommen keine Erklärungen, sondern verfolgen einfach das Geschehen.

Nachdem wir eine kurze Einführung in ihren Alltag bekamen, welcher im Puff statt fand wo Alex wie Tamara arbeiteten beschließen die beiden abzuhauen, eine Bank auszurauben und sich mit dem Geld ein neues Leben anzufangen. Doch es kommt anders als geplant, auf der Flucht wird Tamara erschossen und Alex lässt sie und das Fluchtauto erstmal geschockt im Wald stehen um seinen Großvater, der ganz in der Nähe wohnt, wie schon länger versprochen, zum Holz hacken besuchen zu kommen und erstmal bei ihm unterzutauchen.
Sein Hintergedanke dabei ist den Polizisten, der seine Tamara erschoss, aufzuspüren, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, um Rache zu üben.

Es hat ein bisschen was von “pulp fiction”, ein bisschen was von “elephant”.. doch über bleibt weder Schock, noch Erkenntnis noch sonst irgendein Gefühl. Bei mir blieb eine seltsame Leere.
Die erste Hälfte des Handlungsverlaufs fand ich gut; schön durchkomponiert und stimmig. Jedoch sah ich einen Absturz; als sich zum xten Mal die Holzhackerszene wiederholte fand ich dies nicht mehr dem Filme zugute kommend, sondern unnötige Streckung des Films.
Für mich wirkt der 2. Teil des Filmes ‘löchrig’, da war weniger Gefühl und weniger ‘Action’.
Das Gespräch zwischen Polizist und Alex fand ich persönlich viel zu aufgesetzt, dies war aber wieder einer der starken Momente.

Wahrscheinlich ist die Langatmigkeit die mich störte auch Geschmackssache, aber trotz allen – allein wegen der tollen Kamera lohnt sich ein Blick bestimmt. Außerdem ist es nett, als Bewohnerin von Wien, bekannte Orte vorbeiziehen zu sehen. Wenn auch nur in der 1. Hälfte des Films. Gewürzt ist das Gesamtpaket noch mit österreichischem Charme und hat ein interessantes Projekt hervorgebracht, fernab von den typischen ‘made in austria’ krimis.

Finnischer Tango

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Finnischer Tango ist ein deutscher Film von Buket Alaksus.
Der junge und emotional abgestumpfte Alex braucht schnell und viel Geld. Nachdem ihm ein Jobangebot für Behinderte ins Auge springt, stiehlt er promt den Behindertenausweises eines Rollstuhlfahrers und macht sich auf den Weg.

Was sich Komödie nennt, entpuppt sich schnell als ernstes und tiefsinniges Drama; dabei werden sensible Themen angesprochen wie Selbstmord oder die Liebe, bzw. der Sex zwischen Behinderten.
Der Film liegt teilweise sehr schwer im Magen: Zu rücksichtslos und abgeklärt wandelt der Hauptcharakter durch das Geschehen – menschliche Beziehungen sind für ihn praktisch nicht vorhanden, sein ganzes Leben konzentriert sich nur auf eines: Die Musik.

In seiner 3 Mann-Band war er der Akkordeon Spieler, bis an jenen Abend, als die drei Freunde beschlossen das Auto, mitsamt der Ausrüstung, ihrer größten Rivalband zu klauen. Tommy, der am Steuer sitzt, tritt dann plötzlich aufs Gas und rast auf eine Wand zu, denn seinem Leben will er ein Ende machen.
Der Hauptcharakter erwacht in Trümmern, steigt über Tommy der in einer Blutlacke liegt und geht zum Auto. Seinen anderen Freund Steini, der um Hilfe bettelt, ignoriert er und greift sich das Akkordeon. Wenig später bricht er zusammen.

Alex hat kein Mitleid mit Tommy, er nimmt seinen Tod einfach so hin. Abgesehen davon ist er sogar wütend auf Tommy, da dieser sein Leben auch gefährdet hat. Und der Einwand, sie wären es Tommy schuldig die Band aufzulösen, stößt bei ihm ebenfalls auf Unverständnis.
Alex – der sich zuerst eine Wohnung mit Tommy geteilt hat – muss erstmal wo unterkommen und geht zu Steini, doch dieser ist fassungslos dass Alex ihn hätte sterben lassen und dass ihn der Tod Tommys nicht mal ein bisschen berührt und kündigt darum Band und Freundschaft.
Ohne Wohnung, Geld, Freundin oder Bausparvertrag begibt sich Alex auf Jobsuche – und landet dabei prompt bei einer Ausschreibung, nur für Behinderte. Die Arbeit entpuppt sich als Theater, dort arbeitet er von nun an als Musiker. Mit vielen Lügen erschleicht er sich Mitleid und darf sogar mit einigen anderen aus seiner Arbeit zusammen leben.
In seiner neuen Wohnung verkauft er die Rollstühle oder durchwühlt die Spardosen seiner Mitbewohner um an Geld zu kommen.

Zuerst scheint die WG recht harmonisch, doch dieses Bild wird durch Rudi getrübt; dem pessimistischen Miesepeter, der kein gutes Wort für die anderen oder seine Lebenssituation übrig hat. Ansonsten ist da noch Marilyn, welche am Down Syndrom leidet, die unbedingt ihr erstes Mal mit einem erfahrenen Mann haben möchte, um es ihrem Freund besonders schön zu machen. Jedoch sitzt ihr Geliebter, ebenfalls Bewohner der WG, im Rollstuhl und sein ganzer Unterleib ist gelähmt; an solchen Stellen kommt vorallem wieder die Komödie durch.

Doch obwohl wir denken, der Hauptdarsteller sei moralisch und emotionsmäßig komplett abgestumpft ändert sich dieses Bild, nämlich in seiner Art wie er auf die Selbstmordgedanken von Rudi reagiert – empfindlich, ernst und vorallem menschlich. Das Thema Selbstmord zieht sich durch den ganzen Film, wenn nicht sogar als Schwerpunkt.

Alles in Allem ist der Film keine leichte Kost, aber dafür unterhaltsam. Auch wenn die Stellen, an denen ich schmunzelte, deutlich geringer waren als die traurigen Momente.