Archiv für Mai 2010

Princess

Princess ist ein dänischer Animationsfilm von Anders Morgenthaler (der auch gemeinsam mit Mette Heeno das Drehbuch schrieb) und ein Statement zur “Pornofizierung der Gesellschaft”.

August ist Priester. Als seine Schwester, eine Pornodarstellerin, stirbt, nimmt er ihre Tochter Mia bei sich auf. Diese ist im Milieu der Pornoindustrie aufgewachsen und dadurch sehr verschlossen und abgebrüht. August ist bestürzt, was die Pornoindustrie aus Mia und seiner Schwester gemacht hat und beginnt einen blutigen Rachefeldzug.vlcsnap-2010-05-02-12h39m33s46Es ist also ein Film, der übertrieben mit der Moralkeule schwingt. Wenn auch nur einseitig.
Während “Porno” das Grundübel ist, ist Gewalt, Mord und Verstümmelung der Vertreiber des Pornogeschäfts natürlich gerechtfertigt. Vor allem, wenn man die Konsumenten und die korrupten männlichen Führungspositionen metzelt. Auch kleine Kinder, die Mia “bedrohen”, haben es laut diesem Film wohl verdient, dass ihnen von August der Arm gebrochen wird und sie durch die Luft geschleudert werden.

Denn August ist hier ein Held – er wird als gut dargestellt und seine Figur wird eigentlich kaum hinterfragt. Man hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, als man einbrachte, dass er damals die Kamera zur Verfügung gestellt hat, mit der seine Schwester ihren ersten Film drehte. Jedoch wurde darauf letztendlich wenig eingegangen. Auch dass seine Eltern in einem Autounfall umkamen (und man Augusts Schwester dafür verantwortlich machen könnte), wurde nur kurz angeschnitten und wieder mal nicht vertieft.vlcsnap-2010-05-02-12h47m34s124Zu allem Überfluss an Gut/Böse Schwarzweißdenken wird August in seinen blutigen Rachefeldzügen auch noch von Gott unterstützt. So wird er an einer Stelle umzingelt, aber ein Kreuz, dass einer seiner Gegner um den Hals trägt, lässt August die Situation umreissen. So bringt er mal eben um die zwanzig Leute um und beginnt dieses blutige Spektakel mit den Worten: “Danke!” (an Gott gerichtet)
Sehr fraglich ist auch, dass er die kleine Mia zu seinen Rachefeldzügen meist mitnimmt und dass sie auch die Geschlechtsteile von einem Mann, der sie anscheinend sexuell missbrauchte, zerschmettern durfte. (Und sie dies auch mit Freude tat)
Das Ende des Films schien dann doch eine interessante Wendung zu bringen, die sich dann mit der letzten Einstellung wieder in Luft auflöste.vlcsnap-2010-05-02-12h45m19s80Natürlich ist der Film aus Dänemark und man kann mir sofort vorhalten, dass der ja vorwiegend schockieren und natürlich provozieren soll.
Aber eine so einseitige und belehrende Provokation reizt mich nicht. Porno zu verteufeln (und NUR von einer schlechten Seite zu zeigen), aber dafür Gewalt und Totschlag zu verherrlichen geht mir nicht ein. Es ist einfach lächerlich, wenn man “kritisch” sein will, aber sich nicht auf das Thema einlässt. Dieser Zugang zu der Geschichte, ein kategorisieren von Gut und Böse, ist schlicht ermüdend.
Selbst ein standardisiertes Kinderbuch hätte wohl mehr Tiefe.
vlcsnap-2010-05-02-12h40m41s98Die Animationen sollten an Anime angelehnt sein und erste Screenshots haben mich an das Meisterwerk “Tekkonkinkreet” erinnert. Leider konnte Princess nicht mal annähernd diesem Standard nahe kommen und die Animationen waren oft nicht besonders flüssig. Auch der Zeichenstil gefiel mir persönlich nicht besonders gut.vlcsnap-2010-05-02-12h41m55s75Leute, die es gewohnt sind, dass Zeichentrick “für Kinder” ist, denen wird dieser neue Zugang vielleicht zusprechen. Wenn man aber schon viele Anime gesehen hat, die ebenfalls erwachsen rüberkommen, sollte einen das nicht vom Hocker hauen. Einen weiteren Kunstfaktor will man noch einbringen, indem man immer wieder Sequenzen aus der Videokamera von August einbringt – also mit echten Schauspielern und in schlechter “Homevideo”-Qualität. Da diese aber von der Handlung kaum berücksichtigt wurden, obwohl sie durchaus interessanten Stoff gaben (wie zB August es einfach geschehen hat lassen, dass seine Schwester sich dem Pornobusiness zuwendet), konnten sie auch nicht wirklich begeistern.

So kann ich zuletzt nur noch betonen, dass diese enorme Moral dem Film sicher nicht gut tat. Und dass ich persönlich nicht glaube, dass Porno so abgrundtief böse ist. Ansonsten kann ich noch jedem das Massive Attack – Paradise Circus Musikvideo ans Herz legen, wo eine gealterte Pornodarstellerin über ihre Karriere spricht. Das ist um einiges interessanter und wahrscheinlich genauso provokant. Und mal zur Abwechslung nicht so scharf verurteilend.